medizinische
Atemschutzmasken

Infektiöse Aerosole in Innenräumen

Ein Aerosol ist ein heterogenes Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen in einem Gas. Die Schwebeteilchen heißen Aerosolpartikel oder Aerosolteilchen. Die kleinsten Partikel sind nur wenige Nanometer groß. Ein Aerosol bezeichnet somit immer eine Mischung aus einem Gas und einer fein verteilten Flüssigkeit oder einem fein verteilten Feststoff wie z.B. Staub. Als einfache Beispiele für Aerosole gelten zum Beispiel Dampf, Rauch und Nebel.

Feinste Tröpfchen: Wie gefährlich sind Aerosole?

Man sieht sie nicht mit bloßem Auge, man spürt sie nicht und dennoch spielen sie bei der Übertragung von Viren eine wichtige Rolle. Was es mit den Aerosolen auf sich hat und wie sich ihre Verbreitung vermindern lässt.

Jeder von uns produziert sie und jeder atmet sie ein, ohne es zu merken – Aerosole. Das sind kleinste Tröpfchen, ein feines Gemisch aus festen und flüssigen Teilchen in einer Größe von weniger als fünf Mikrometern (ein Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter). Im Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 100 Mikrometer dick. Schon ein einziger Atemstoß enthält bis zu 1000 solcher Teilchen, unter denen auch die SARS-CoV-2 Viren sein können.

Aerosole sind also deutlich kleiner als die normalen Tröpfchen, die wir beim Husten oder Niesen ausstoßen. Bei einer Tröpfcheninfektion landet das Virus auf den Schleimhäuten eines anderen Menschen. Bei einer Aerosol-Übertragung gelangen die Viren direkt in die Atemwege. Galten lange vor allem die Tröpfchen- und Kontaktinfektion als Hauptübertragungswege, rücken nun die Aerosole verstärkt in den Blickpunkt.

Übertragung trotz Schutzmaßnahmen

Forscher in China fanden heraus, dass ein einziger Infizierter in einem Restaurant viele weitere Personen im Raum anstecken konnte, ohne näheren Kontakt zu ihnen gehabt zu haben. Und auch in Deutschland offenbaren Superspreading-Ereignisse das Risiko: Gottesdienste, Familienfeiern, Restaurants, Betriebe – überall wo Menschen in geschlossenen Räumen zusammen kommen, steigt die Gefahr ganz besonders. Und zwar selbst dann, wenn die üblichen Schutzmaßnahmen wie Händewaschen, Masken und Mindestabstand eingehalten werden.

"Für das Corona-Virus scheint sich herauszustellen, dass sowohl Tröpfcheninfektionen als auch die luftgetragene Übertragung über Aerosole, relevant sind", erklärt Professor Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts an der Technischen Universität Berlin. Auch der Virologe Christian Drosten berichtete im Mai in seinem Podcast über entsprechende internationale Studien: "Es gibt Übertragungen im Innenbereich mit großer Überbetonung gegenüber draußen. Das alles deutet auf eine deutliche Aerosol-Komponente der Übertragung hin." Einer Untersuchung aus Hongkong zufolge würden wahrscheinlich 50 Prozent der Viren über Aerosol-Partikel und nicht die größeren Tröpfchen abgegeben.

Quelle: VON EVA TENZER, 15.07.2020 APOTHEKEN-UMSCHAU